Bilder von der Auftaktveranstaltung am 12.04.2018 in Annaberg-Buchholz

Kompetenzen und Innovationskraft zum automatisierten Zugfahren und digitalisiertem Bahnbetrieb sollen auf dem Forschungscampus in Annaberg-Buchholz gebündelt werden – Projekt bietet herausragendes Potenzial zur engen Vernetzung von Forschungseinrichtungen und Unternehmen im Erzgebirge

Die ersten Weichen für den Forschungscampus in Annaberg-Buchholz sind gestellt: Die Stadt Annaberg-Buchholz und die Technische Universität Chemnitz bewerben sich mit zahlreichen starken Partnern – wie zum Beispiel dem Freistaat Sachsen, der DB Netz AG, der Siemens AG, dem Eisenbahn-Bundesamt sowie Professuren der TU Dresden – um den Zuschlag für Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für ein einzigartiges Modellprojekt in Europa: den Forschungscampus „Smart Rail Connectivity-Campus“. Auf diesem Campus sollen im Erzgebirge hoch automatisiertes Fahren auf Normalspurgleisen der Bahn sowie ökologisches Fahren insbesondere mit hybriden Antrieben weiter erforscht und innovative Mobilitätstechnologien zur Zulassung und Markteinführung geführt werden. Da das Niveau und die Art und Weise der Ermöglichung von Mobilität enorme wirtschaftliche wie ökologische Effekte haben, leistet das Projekt bezogen auf den Bahnverkehr und darüber hinaus wichtige Beiträge zu einer nachhaltigen – ökonomisch, ökologisch und sozial effektiven und effizienten – Mobilität. Zudem dient das Vorhaben der Vernetzung der TU Chemnitz mit Unternehmen und Einrichtungen in der Region Erzgebirge mit ihrem Zentrum Annaberg-Buchholz. Es verschafft diesen den Zugang zu den Forschungskompetenzen der Universität und stärkt so ihre Innovationskompetenz. Dies ist ganz im Sinne des BMBF-Förderprogramms „WIR – Wandel durch Innovation in der Region“.

Modellprojekt zum automatisierten Zugfahren bringt TU Chemnitz, das Erzgebirge und die Stadt Annaberg-Buchholz enger zusammen

Die Herausforderungen für die beteiligten Forschungseinrichtungen und ihre Praxispartner sind anspruchsvoll: Beim automatisierten Zugbetrieb spielen die Themen Kontrolle, Sicherheit und Überwachung der Trasse eine entscheidende Rolle. Wichtig ist auch, dass Personen, Signale, Umgebung und Bahnhöfe interaktiv erkannt werden. Dazu sind unter anderem leistungsfähige Computer, Sensoren, Kameras und Schnittstellen notwendig. Entlang der Trasse soll deshalb ein leistungsfähiges Datennetz von bis zu 5 GB aufgebaut werden. Aufgrund dieser Themenvielfalt und -komplexität sind in dem Projekt viele Partner integriert. Hauptakteure sind die TU Chemnitz, die Stadt Annaberg-Buchholz und die DB RegioNetz Verkehrs GmbH/Infrastruktur GmbH Erzgebirgsbahn. Unterstützend wirken auch die beiden Chemnitzer Fraunhofer-Institute IWU und ENAS, die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Stadt Chemnitz und des Erzgebirges, Professuren der TU Dresden sowie viele weitere Wissenschafts- und Praxispartner.

Da das Projekt sowohl auf eine bereits bestehende, einzigartige Infrastruktur als auch auf spezifische interdisziplinäre Kompetenzen in der Region Erzgebirge-Chemnitz zurückgreifen kann, sind die Voraussetzungen hervorragend: Bereits seit 2005 ist auf dem Bahnhof Annaberg-Buchholz Süd modernste elektronische Stellwerktechnik der Siemens AG in Betrieb, die den Zugbetrieb der Erzgebirgsbahn vollautomatisch steuert. Mit der Strecke zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg steht eine Trasse für Testfahrten zur Verfügung. Entwicklungsarbeiten zum sächsischen Hybrid-Schienenfahrzeugprojekt EcoTrain sind weit fortgeschritten und mit dem Unteren Bahnhof in Annaberg-Buchholz ist ein idealer Standort für die Einrichtung eines Forschungscampus im Erzgebirge vorhanden.

Der Prorektor für Transfer und Weiterbildung der Technischen Universität Chemnitz, Prof. Dr. Uwe Götze, erläutert die Motivation der TU Chemnitz im Rahmen des Projektes:

„Ausgehend von ihren drei Kernkompetenzfeldern Materialien und Intelligente Systeme, Ressourceneffiziente Produktion und Leichtbau sowie Mensch und Technik leistet die TU Chemnitz bereits eine Reihe von Forschungsbeiträgen für eine nachhaltige Mobilität, unter anderem in den Bereichen des Leichtbaus und von Assistenzsystemen. Dieses Feld soll weiterentwickelt werden. Zudem wollen wir die traditionelle Vernetzung zwischen dem Erzgebirge und Chemnitz stärken und erreichen, dass die TU Chemnitz mit diesem Forschungscampus noch stärker als bisher im Erzgebirge präsent ist.“

Der Annaberg-Buchholzer Oberbürgermeister Rolf Schmidt ist überzeugt:

„Diese Projektidee hat das Potenzial für eine absolute Alleinstellung des Erzgebirges in Europa. Forschung, Technologie und Innovation zum automatisierten Fahren auf Bahntrassen würden unter realen Bedingungen hervorragend miteinander vernetzt und konzentriert. Mit der TU Chemnitz und vielen weiteren Partnern sind wir sehr gut aufgestellt. Es gibt reale Chancen für eine universitäre Forschungseinrichtung in unserer Stadt mit Strahlkraft für die gesamte Region und für hochqualifizierte Arbeitsplätze. Außerdem würden die regionale Automobil- und Zulieferindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau sowie Unternehmen aus der Digitalisierungsbranche von diesem Vorhaben profitieren.“

Am 1. April 2018 wurde eine wichtige Hürde genommen: Mit den nun zur Verfügung stehenden Fördermitteln des BMBF in Höhe von insgesamt 200.000 Euro wird die Projektidee bis Oktober 2018 zu einem detaillierten Konzept erweitert. Von den bundesweit 32 Projekten, die aus mehr als 100 Vorschlägen für diese Konzeptphase ausgewählt wurden, können nur zwölf Sieger mit einem Zuschlag und erheblichen Fördergeldern des Bundes von je fünf bis acht Millionen Euro allein in den Jahren 2019 und 2020 rechnen.

Networking-Event markiert Auftakt zur Konzeptphase

Mit der Auftaktveranstaltung am 12. April 2018 fand in Annaberg-Buchholz ein erstes Networking-Event des Smart Rail Connectivity-Campus unter der Schirmherrschaft des Staatsministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten Sachsens, Martin Dulig, statt. Zunächst wurden das erste digitale Stellwerk Europas am Bahnhof Annaberg-Buchholz Süd – als Teil der Infrastruktur des Smart Rail Connectivity-Campus – und dessen geplante Einbindung in das Projekt vorgestellt. Anschließend erläuterten der Oberbürgermeister der Stadt Annaberg-Buchholz, Rolf Schmidt, der Rektor der TU Chemnitz, Prof. Dr. Gerd Strohmeier, und der Technische Leiter Technologiemanagement und -entwicklung der DB RegioNetze Verkehrs GmbH, Sören Claus, die Idee des Forschungscampus. Dabei unterzeichneten Schmidt und Strohmeier eine Rahmenkooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Annaberg-Buchholz und der TU Chemnitz, die über den Forschungscampus hinaus eine Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Wirtschaft fördern soll. Im Rahmen einer Konferenz und eines Forschungsmarktplatzes in der Festhalle Annaberg-Buchholz konnten sich schließlich die Projektpartner und weitere interessierte Unternehmen über geplante Campus-Projekte zu innovativen Bahntechnologien austauschen und erste Verbindungen für mögliche Kooperationen knüpfen.

Die Bedeutung dieser Vernetzung des Vorhabens Smart Rail Connectivity-Campus in der Region und die Anbindung in die hiesige Wirtschaftsstruktur betonen die beiden projektbeteiligten Wirtschaftsfördergesellschaften Chemnitz und Erzgebirge. Es besteht die große Chance, die Kompetenzen hiesiger Unternehmen auf allen Technologiegebieten wirksam miteinander zu verbinden. Die Firmen im Bahncluster wie auch die Vorreiter auf den Gebieten der Sensorik und weitere „Smart Systems“-Entwickler können gemeinsam mit den traditionell starken Maschinen- und Anlagenbauern insbesondere die regionale Wirtschaft auf europäischem Spitzenniveau weiterentwickeln und so eine neue Wertschöpfung für die Region schaffen.


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